Gedichte

Erkenntnisse aus meiner Reisezeit bei den fremden
Freiheitsbrüdern!

Ein junges heiteres Mauermannsgeblüt,
zünftig in die Fremde zieht!
Nach Handwerksbrauch zu reisen,
soll man den Zimmermann preisen!
Ein Schieferdecker unverzagt,
sich mutig in die Fremde wagt!

Um Dein Handwerk zu beleben,
musst Du dem Stenz die Sporen geben!
Frage nicht nach Geld und Gut,
im Kurs steht hoch der Reisemut!
Gehörst Du zum Gesellenstand,
dann beweise Dein Können auch im anderen Land!

Mit dem Berliner auf dem Rücken,
wirst Du die Landschaft mit Freude erblicken!
Willst Du die Bautenpracht mal sehen,
dann musst Du in die Fremde gehen!
Wer loben will den edlen Rebensaft,
der koste erst die Wanderschaft!

Beweise Deine Persönlichkeit,
sei brüderlich in Deiner Reisezeit!
Wer sein Leben nicht erlebt,
dem sei das Totenhemd gewebt!
In der Ferne liegt Hoffnung, Erfüllung und Glück,
Sorgen bleiben weit zurück!

Auszug eines Gedichtes des einheimisch fremden Freiheitsbruder Willi Goedecke geschrieben 1964



Die letzte Reise !

Ein Ruf dringt schmerzend in die ferne,
herbei Ihr Brüder weit und breit,
die Sonne sinkt, es funkeln Sterne
und für uns ist jetzt großes Leid.

Ein Bruderherz hat ausgelitten,
vorbei ist seine Wanderlust,
für'n Freiheitsschacht hat er gestritten,
die Ehrbarkeit trug er bewusst.

Drum Brüder legt die Kelle nieder
und die Axt aus eurer Hand,
zum letzten Mal sehn wir ihn wieder,
drüben in dem Nachbarland.

Nun gebt ihm Rosen und rote Nelken
und einen zünftigen Abschiedsgruß,
macht frei die Gruft und tut ihn senken,
weil er jetzt Frieden haben muss.

So ruhe aus Du lieber Bruder,
denn Deine Pflicht hast Du erfüllt,
ein Wieder sehn gibt es nie wieder,
Dein Vorbild bleibt auf dieser Welt l

Januar 1972 Willi Goedecke







Als Freiheitsbruder auf Tippelei

Ein Freiheitsbruder auf der Tippelei
sieht manche goldne Zeit,
zum Schmoren und zur Schniegelei
egal ob es sonnet oder schneit
erklärt er sich bereit!

Ein Freiheitsbruder trägt den Charlottenburger
stets links geschultert auf Reisen,
in ihm ist alles für Arbeit und Lager
ob unter Bäumen, ob neben Gleisen
mit Platz für Wein und trockne Speisen.

Zuerst kennt der Freiheitsbruder sein Heimatland
denn hier warten viele seinesgleichen
die gern ihm reichen die Brüderhand!
Sie formen sein Können in vielen Bereichen
und stellen für weite Reisen die Weichen.

Dann wird der Freiheitsbruder in der Welt
sein eigenes Glück sich bereiten,
so kann er wenn es ihm gefällt
in Norwegen angeln, in der Mongolei reiten
oder Sonnenbrand kriegen in südlichen Breiten.

Ein Freiheitsbruder weiß die Zeit zu genießen,
es erfreuen ihn Frauen und ihr Aussehen
wenn Blumen blühen und Bäume sprießen,
wenn sie in schönen Kleidern gehen
und manchem so den Kopf verdrehen.

Zum guten Schluss, am Ende der Reise
schmeißt jeder Freiheitsbruder ein Fest.
Es wird gefeiert in großem Kreise!
Stolz wird besungen was Tippelei lässt:
in Fässern bleibt kein Rest. 


Sehnde/ Evern den 12. Mai 2008
Der fremde Freiheitsbruder Christian Wölbeling