Das neue Wappen des Schlosses zu Hohenlimburg

Ein Wappen? Neu?

Das ist schon ein recht ungewöhnlicher Auftrag für zwei reisende Steinmetzen in der heutigen Zeit des Konservierens auf Teufel komm raus.
Doch Ausnahmen bestätigen bekanntlich die Regel und so kam es, dass Clemens mich kontaktierte und mir von der außergewöhnlichen Maßnahme auf dem fürstlichen Schloss zu Hohenlimburg erzählte und mich mit ins Boot holte.
Über dem Eingang zu den einst fürstlichen Gemächern im Innenhof des Schlosses ist schon seit Menschengedenken ein Wappenstein mit aufwändiger Umrahmung im Mauerwerk eingelassen. Dieser wurde seiner Zeit aus einem leicht zu verarbeitenden Sandstein aus der Gegend gefertigt, weshalb nach so vielen Jahren der Verwitterung und dem treiben vieler Menschen, kaum mehr etwas von seiner einstigen Pracht zu erkennen war.
So beschloss der örtliche Kulturverein, dass eine Konservierung nicht ausreiche, sondern dass die Hohenlimburger „ihr“ Wappen rekonstruiert und neu gehauen haben wollen.
Da kamen wir ins Spiel, und mit einiger Hilfe des einheimischen Freiheitsbruders und Ämter Schreck Helmut König, gelang es uns das Denkmalamt von unserem Vorhaben zu überzeugen. 
 Der Auftrag lautete: Das Wappen und die vier „Rahmenstücke“ zu rekonstruieren, zu zeichnen, dem Denkmalamt vorzulegen, die fünf Teile neu hauen und zu guter Letzt auch einzubauen.
 
Die Vorbereitung
War ein ebenso großer Zeitaufwand wie das Ausarbeiten der Stücke selbst und nahm fast einen Monat in Anspruch. Zuerst war eine gründliche Aufbesserung unserer Heraldik Kenntnisse erforderlich, um zu verstehen in welchem Zusammenhang all die Formen einst standen. Danach konnten wir anhand einiger historischer Unterlagen aus diversen Archiven der Denkmalpflege den ursprünglichen Inhalt des Wappens bestimmen. 
Bei den Rahmenteilen war da mehr die Steinmetzerfahrung und Gewandtheit mit dem Zirkel gefragt, doch auch da konnten wir einen Profilablauf festlegen, der dem Original zumindest sehr ähnlich ist.
 Nachdem die Pläne und Zeichnungen dann alle in mehrfacher Ausführung auf Papier gebracht waren, brauchten wir „nur“ noch den Segen der öffentlichen Hand und es konnte losgehen.
Während wir auf das OK des Amtes warteten, kümmerten wir uns um eine Werkstatt und das Material. Da hatten wir ausgesprochen großes Glück, da die Firma Grandi in Herdecke, bei Hagen uns mit dem Material und gleichzeitig einem gut ausgestattetem Werkplatz unterstützte. 

Endlich geht’s los!
Ruhrsandstein, du Segen! Du Fluch! Du Schrecken aller Werkzeuge!
Nie zuvor hab ich von einem Sandstein von solcher Härte und Dichte gehört. Da ich in einer Granitgegend gelernt habe, weiß ich mit hartem Gestein umzugehen, aber die Kombination aus homogener Dichte mit der extra Portion Quarz erforderte all unser können bei der Bearbeitung und auch enormen Werkzeugverschleiß. Dafür sollte der Verwitterung die nächsten 300 Jahre problemlos vorgebeugt sein.
Clemens kümmerte sich um die vier Rahmensteine und ich um den mittleren Wappenstein, so war der Deal.

Das Wappen 
Der erste Schritt war ein kompletter Aufriss der Form, daraufhin das Ausarbeiten der Konturen auf die gewünschte maximale Tiefe des Reliefs. 
Für diese gröberen Vorarbeiten sind die besten Freunde des Steinmetz die Flex und der Drucklufthammer, um Zeit zu sparen.
Ist dies exakt geschehen, bin ich dazu übergegangen, die höchsten und tiefsten Punkte zu ermitteln, das ist viel Gefühlssache und ein bisschen Erfahrung, da es ja kein Modell gab von dem man diese Punkte hätte abnehmen können.
So entstand als erstes die Krone und das Blattwerk um das eigentliche Wappenschild herum.
War dies ausgearbeitet, was durchaus schon einiges Fingerspitzengefühl erforderte, um die scharfen Kanten und Grate nicht zu verlieren, ging es dann ans Schild. Mit seinen insgesamt vier Löwen, drei Herzen, dem Anker, der Gans, den Schilden und den Herrscherfarben war das Schild mächtig vollgepackt mit Symbolen. Diese mussten alle äußerst genau und fein ausgearbeitet werden, damit auch in eingebautem Zustand auf einer Höhe von fast drei Metern noch alles zu erkennen ist.
Parallel zu diesen arbeiten schuf Clemens aus dem selben Material.

Die Rahmenteile
Wir hatten uns gemeinsam auf einen recht aufwendigen Profilablauf bei der Sohlbank und dem Sturz entschieden, der nur von den beiden Gewände-Teilen übertroffen wurde.
Diese sollten in jeweils zwei Voluten enden, welche dann noch mit Kanneluren versehen sind. Eine sehr aufwendige Konstruktion, vom Ausarbeiten mal ganz zu schweigen.
Die Sohlbank ziert ein Profillauf mit Karnies, Zahnschnitt, doppelter Wiederkehr und Totlauf, während der Sturz ein ganzes Stück weiter aus der Mauer ragt und statt des Karnies einen Eierstab und eine Verdachung aufweist.
Das Ausarbeiten dieser Stücke, nicht minder aufwändig als das Wappen selbst, nahm daher auch in etwa dieselbe Zeit in Anspruch.
Nach ca. vier Wochen, des Ausarbeitens und Anpassens waren wir dann endlich soweit zufrieden, dass wir mit Stolz sagen konnten.

Fertig zum Einbau
Dieser sollte sich jedoch schwieriger gestalten als gedacht, da der Schlosshof aufgrund eines sehr engen Torbaus mit keinerlei Fahrzeugen befahrbar war. 
Nun wogen unsere Steine schon das ein oder andere Kilo, vor allem das Wappen bringt gut und gerne 200 kg auf die Waage.
Aber hilft ja alles nichts haben wir uns gesagt, machen wir´s halt wie im Mittelalter, mit Rollen aus Holz, Flaschenzügen und den guten alten Setzeisen.
Als erstes saß die Sohlbank, dann der Wappenstein, den wir ohne ihn zu beschädigen auf die drei Meter Höhe gewuchtet hatten, dann die Seitenteile und zu guter Letzt den Sturz.
Nach insgesamt, mit ausmauern und Verfugen, zwei Tagen war auch der Einbau gelungen.
Der Einbau hat uns in so manchem spannenden Moment viele Nerven und vermutlich Jahre unseres Lebens gekostet, aber auch viel gelehrt und uns als Team zusammengeschweißt.

Wir sind beide stolz auf das Geschaffte und haben unser Werk auch erst mal mit einem zünftigen Trunk begossen. 
Hoch die Steinmetzkunst!

Die fremden Freiheitsbruder 
Clemens Keck und Andreas Bauer


Geschrieben vom
fremden Freiheitsbruder 
Andreas Bauer


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